Thermisch mod. Holz (TMT)

  • Samstag, 31. Mai 2008 um 05:46
  • Aktualisiert Montag, 29. März 2010 um 18:56
  • Geschrieben von: holzterrassen.at

Von "Thermoholz" hat wohl nahezu jeder schon gehört, der sich mit Holzterrassen schon einmal beschäftigt hat. "Thermoholz" ist dabei jedoch ein nicht genau definierter und (meines Wissens) auch nicht geschützter Begriff.
Die korrekte Bezeichnung innerhalb der EU ist "thermally modified timer" (thermisch modifiziertes Holz), abgekürzt TMT.


Thermisch modifiziertes Holz (TMT) ist Holz, das für einen Zeitraum von bis zu 50 Stunden unter Sauerstoffreduktion Temperaturen von üblicherweise 160 Grad Celsius (bis 250 Grad Celsius) ausgesetzt wird. Dabei kommt es zu physikalischen und chemischen Veränderungen im Holz das kurz zusammengefasst "karamelisiert".

 

Die Auswirkungen dieser Behandlung:

 

  • Das Schwind- und Quellmaß wird um bis zu 70% reduziert, das Holz damit formstabiler.
     
  • Die Dauerhaftigkeit gegen holzzerstörende Pilze und Insekten wird erhöht, das Holz damit in Gebrauchsklassen einsetzbar, für die das naturbelassene Holz nicht geeignet ist.
  • Das Holz wird dunkler und nimmt eine - je nach Intensität und Dauer des Prozesses - nussbraune bis tief schokoladenbraune Färbung an. Diese ist nicht nuroberflächlich sondern durchgängig (auch Schnittkanten haben die selbe Farbe). Das thermisch modifizierte Holz ist jedoch - wie das unbehandelte Holz - nicht lichtecht und vergraut unter UV-Einstrahlung.
  • Thermisch modifiziertes Holz hat (mit Steigerung der eingesetzten Temperaturen zunehmend) gegenüber unbehandeltem Holz eine verringerte Tragfähigkeit und ein verändertes Bruchverhalten. Es darf deshalb - insbesonders solange keine diesbezüglichen gesicherten Untersuchungswerte vorliegen - für statisch tragende Bauteile nicht verwendet werden!

 

Verfahren:


Bei der thermischen Modifizierung unterscheidet man verschiedene Verfahren, die zumeist von verschiedenen Firmen entwickelt (und teilweise patentiert) wurden.

  • Das Öl-Hitze-Verfahren OHT (Oil Heat Treatment), das von der deutschen Firma MENZ HOLZ GmbH & Co. KG in 36115 Ehrenberg-Reulbach patentiert wurde. Bei diesem Verfahren erfolgt das Erhitzen des Holzes in einem Bad aus reinem Pflanzenöl und damit unter völligem Sauerstoffabschluß. Eine Aufnahme von Öl durch das Holz erfolgt nicht.
  • Das Feucht-Wärme-Druck-Verfahren (Plato-Verfahren). Bei diesem mehrstufigen Verfahren wird das Holz (1) in wasserhaltiger Umgebung unter hohem Druck auf ca. 175 Grad Celsius erhitzt, dann (2) in einem Ofen auf rund 8% Feuchtegehalt getrocknet. Dann (3) wird das Holz unter trockenen Bedingungen erneut auf rund 175 Grad Celsius erhitzt und abschließend (4) auf rund 6-8% Feuchtegehalt für die Verarbeitung eingestellt.
  • Das Thermowood-Verfahren. Bei diesem Verfahren folgt auf eine Aufwärmphase bei der Holz auf ca. 100 bis 130 Grad erhitzt und dann auf nahezu 0% Holzfeuchte getrocknet wird, die Wärmebehandlung, bei der das Holz auf 185 bis 215 Grad Celsius erhitzt und diese Temperatur für 2 bis 3 Stunden beibehalten wird. Abschließend wird das Holz abgekühlt und bei Erreichen von ca. 80 bis 90 Grad auf eine Endfeuchte von 4 bis 7 Grad Celsius befeuchtet.
  • Das Inertgas-Verfahren. Bei diesem wird das zuvor auf ca. 12% Holzfeuchte getrocknete Holz in einer Kammer unter stickstoffhaltiger Atmosphärte mit nur ca. 2% Sauerstoff auf 210 - 240 Grad Celsius erhitzt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass thermisch modifziertes Holz eine durchaus attraktive Alternative zu tropischen Harthölzern darstellt, denen es in Bezug auf die Dauerhaftigkeit durchaus gleichkommt. Es handelt sich um einen nachwachsenden Rohstoff, die verwendeten Holzarten sind durchwegs bei uns heimisch, es ist nicht chemisch behandelt und kann demzufolge wie unbehandeltes Holz entsorgt werden.